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04/2026

Die neue Halbkugel-Post

 Aus erster Hand: Bericht des Vorstandsvorsitzenden 

Halbkugel-Post im Zeichen von Erinnerung und Entdeckung

Die neue Ausgabe der Halbkugel-Post widmet sich schwerpunktmäßig der Mitgliederversammlung und der Ringvorlesung der Otto-von-Guericke-Gesellschaft im Rahmen von „Studieren ab 50“ des Wintersemesters 2025/26. Die Themen stehen im Kontext eines bedeutenden historischen Ereignisses: 2031 jährt sich zum 400. Mal die Zerstörung Magdeburgs im Dreißigjährigen Krieg. Dieses Gedenken berührt die gesamte Stadtgesellschaft und ist auch für die Otto-von-Guericke-Gesellschaft von herausragender Bedeutung.

Neben dem Blick in die Geschichte richtet sich der Fokus auch über den Atlantik: Dr. Wolfram Knapp berichtet in dieser Ausgabe mit spannenden Einblicken aus den USA. Informationen zu Guericke und seiner Verbindung zum vermeintlichen Einhorn von Seweckenberge sind auch nachzulesen. Zudem gibt es Neuigkeiten aus dem digitalen Stadtraum: Die digitale Guericke-Meile ist ab sofort über die SmartGuide-App abrufbar.

Ihr Peter Reichling

Auf den Spuren Otto von Guerickes – digital und zu Fuß

Mit der neuen Guericke-Meile erweitern die Digitalen Stadtführungen der Magdeburger Tourismusgesellschaft MMKT ihr Angebot um eine zeitgemäße Entdeckungstour auf den Spuren Otto von Guerickes. Von der Otto-von-Guericke-Gesellschaft gestaltet, werden Orte und Denkmäler vorgestellt, die eng mit dem Leben, Wirken und wissenschaftlichen Erbe des berühmten Magdeburgers verbunden sind.

Der 3,4 Kilometer lange Weg führt zu neun ausgewählten Stationen und lässt sich in etwa 100 Minuten bequem zu Fuß erkunden. Startpunkt ist der Standort von Guerickes ehemaligem Wohnhaus. Von dort geht es weiter zur Großplastik, zum Denkmal am Rathaus und zur Johanniskirche. Entlang des Weges begleiten an zwei Orten die Lichtinstallationen der „Farbigen Schatten“ die Besucherinnen und Besucher, bevor die Route zur Otto-von-Guericke-Universität mit Guerickes stilisiertem Porträt und seiner übergroßen Unterschrift führt und mit dem Otto-von-Guericke-Museum ihren Abschluss findet. Auf dem Spaziergang begegnen Ihnen hin und wieder die farbenfrohen Magdeburger Halbkugel-Plastiken.

Die SmartGuide-App bietet dazu fundierte, anschaulich aufbereitete Informationen und macht Geschichte im Stadtraum erlebbar. Als Otto-von-Guericke-Gesellschaft freuen wir uns, dieses Angebot mitzugestalten und unseren Beitrag zur Vermittlung von Guerickes Erbe zu leisten. Eine Vorschau auf die Guericke-Meile finden Sie hier.

Mitgliederversammlung

Unsere jährliche Mitgliederversammlung fand am 19. März 2026 statt. Veranstaltungsort war erneut das Guericke-Zentrum.

Aus dem Bericht des Vorsitzenden

Ein Schwerpunkt seiner Aktivitäten bestand in der gezielten Pflege und dem Ausbau bestehender Kooperationen. Verbindungen zu langjährigen Partnern wurden gestärkt und reaktiviert. Zugleich gelang es, neue Mitstreiter für die inhaltliche Arbeit und die finanzielle Unterstützung zu gewinnen. Die Otto-von-Guericke-Gesellschaft wird zunehmend als verlässlicher und leistungsfähiger Partner wahrgenommen. Darauf deuten nicht zuletzt die positiven Rückmeldungen aus dem Netzwerk hin.

Aktivitäten von Vorstand und Arbeitsgruppen

Vorstand, Arbeitsgruppen und zahlreiche Engagierte haben im Geschäftsjahr 2025 mit großem Einsatz die satzungsgemäßen Aufgaben erfüllt und die Arbeit der Gesellschaft wirkungsvoll nach außen getragen. Neben den turnusmäßigen Vorstandssitzungen fanden erweiterte Beratungen unter Einbeziehung der Arbeitsgruppenleitungen sowie gemeinsame Abstimmungen mit der Otto-von-Guericke-Stiftung statt.

Die Arbeitsgruppe Experimente überzeugte mit anschaulichen Vorführungen, die nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch die historische und kulturelle Bedeutung der Experimente lebendig erfahrbar machen. Die Arbeitsgruppe Wissenschaft setzte mit ihren Angeboten, insbesondere den Ringvorlesungen im Rahmen des Programms „Studieren ab 50“ der OVGU und der Guericke-Tagung, wichtige Impulse zur Pflege des wissenschaftlichen Erbes. Die Arbeitsgruppe Veranstaltungen gestaltete ein vielseitiges Programm mit populärwissenschaftlichen und kulturellen Formaten und stärkte mit Sommerfest und Adventsfeier zugleich das Vereinsleben.

Mit Blick auf das Jahr 2031, den 400. Jahrestag der Zerstörung Magdeburgs, sollen die Aktivitäten nicht nur fortgeführt, sondern gezielt ausgebaut werden. Die Gewinnung engagierter Mitglieder und die Stärkung der personellen Basis bleiben dabei zentrale Herausforderungen.

Der Vorsitzende dankt allen aktiven Mitgliedern für ihr Engagement sowie den Sponsoren und Förderern für ihre unverzichtbare Unterstützung.

 Gemeinsam aktiv: Die Ringvorlesung mit Blick in die Geschichte 

„Ganz verheeret“ – Die Zerstörung der Stadt Magdeburg von 1631: Trauma der Stadtgeschichte

Referent: Prof. Dr. Mathias Tullner, Ehrenvorsitzender der OvGG, 21.10.2025

Mit großem Interesse starteten am 21. Oktober 2025 die Ringvorlesungen der Otto-von-Guericke-Gesellschaft im Rahmen von „Studieren ab 50“ der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Über 90 Gäste verfolgten die Ausführungen von Prof. Dr. Mathias Tullner zur Zerstörung Magdeburgs im Jahr 1631 – dem wohl tiefsten Einschnitt in der Stadtgeschichte.

Beim Sturm der Truppen unter Tilly und Pappenheim fiel nahezu die gesamte Stadt den Flammen und Massakern zum Opfer. Von einst annähernd 40.000 Einwohnern hielten sich danach nur noch knapp 500 Menschen in der zerstörten Stadt auf. Etwa 20.000 kamen ums Leben, die Übrigen flohen aus der Stadt. Nur wenige Gotteshäuser – allen voran der Dom – blieben verschont.

Noch heute erinnert das Glockengeläut am 10. Mai jeden Jahres an die „Magdeburger Hochzeit“, wie die Katastrophe später genannt wurde. Auch die Familie des jungen Otto von Guericke, damaliges Ratsmitglied und späterer Bürgermeister, entkam den Flammen. Guericke sollte später zu einer der prägendsten Persönlichkeiten der Stadt werden.

Gottfried Heinrich zu Pappenheim – des Kaisers General und Reichserbmarschall

Referent: Maik Reichel, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung und von 1999 bis 2013 Direktor des Museums Lützen, 28.10.2025

Beim Namen Pappenheim denken viele an den bekannten Ausspruch „Daran erkenn’ ich meine Pappenheimer“. Heute wird er oft missverstanden – ursprünglich war er als Ausdruck höchster Loyalität und Verlässlichkeit gemeint. Der Satz steht für die Treue, die Pappenheims Soldaten ihrem Feldherrn in den Schlachten des Dreißigjährigen Krieges entgegenbrachten.

Gottfried Heinrich zu Pappenheim begann seine militärische Laufbahn 1619/1620. Bereits in der Schlacht am Weißen Berg bei Prag bewährte er sich als fähiger Offizier. Nach einer schweren Verwundung bat er 1622 um seine Entlassung aus dem Militärdienst – doch Tilly, einer der bedeutendsten Feldherren jener Zeit, erkannte sein Talent und empfahl ihn zum Oberst. Mit Unterstützung Wallensteins konnte Pappenheim 1624 eigene Truppen aufstellen und führte schon ein Jahr später ein Heer von rund 6.000 Mann.

Als 1630 der schwedische König Gustav II. Adolf in den Krieg eingriff, weitete sich der Konflikt auf Norddeutschland aus. Nach der Landung des Königs in Peenemünde begann Pappenheim mit kleineren Truppenteilen die Belagerung der mit den Schweden verbündeten Stadt Magdeburg, wobei nach kurzer Zeit sein Oberbefehlshaber Tilly mit der kaiserlichen Hauptarmee folgte und die Stadt zur Gänze einschloss. Am 10. Mai 1631 (jul. Kal.) begann schließlich die Erstürmung Magdeburgs. Der Sturm auf die Stadt erfolgte im Bereich der Lukasklause – ein Ort, der heute an diese Tragödie erinnert. Pappenheim starb im November 1632 an den Folgen seiner Verletzungen, die er in der Schlacht bei Lützen erlitt.

„Sturm auf Magdeburg“ – eine dramatische Herausforderung

Referent: Norbert Pohlmann, Geschäftsführer Forum Gestaltung, 11.11.2025

Ein nahezu vergessenes Theaterstück aus dem Jahr 1799 bildete den Ausgangspunkt der kulturhistorischen Betrachtung: Friedrich Ludwig Schmidt (1772–1841), seinerzeit Direktor des Stadttheaters Magdeburg, verarbeitete in seinem Schauspiel die Zerstörung Magdeburgs am 10. Mai 1631 – ein Ereignis, das zu den verheerendsten des Dreißigjährigen Krieges zählt. Trotz seines historischen Gewichts fand das Theaterstück nur selten Eingang in die Literatur. Erst der Begriff „magdeburgisieren“ brachte die Dimension dieses Untergangs sprachlich zum Ausdruck.

„Der Sturm von Magdeburg“ wurde 1799 uraufgeführt und über Jahrzehnte am Jahrestag der Katastrophe gespielt, bis es 1876 aus dem Repertoire verschwand. Ein weiteres Werk Schmidts „Die Belagerung von Magdeburg im Jahre 1551“ verband patriotische und protestantische Perspektiven und zeigte die damalige Zerrissenheit der Bürgerschaft. Auch Otto von Guericke war tief geprägt von den Ereignissen und litt unter der Schwäche des Rates.

Die Folgen der Zerstörung bestimmten die Stadtentwicklung langfristig: Statt einer Universitätsgründung wurde Magdeburg zur Festungsstadt, während Bildung und Kultur zurückstanden. Der Begriff „magdeburgisieren“ könne neu interpretiert werden – vom Untergang zur Erneuerung, so der Referent. Kunst und Kultur könnten diesen Wandel sichtbar machen, etwa durch eine neue Theaterinszenierung im öffentlichen Raum, die an den 100. Jahrestag der Deutschen Theaterausstellung im Rahmen des Festivals der Moderne 2027 anknüpfen soll.

Das Kuratorium Friedensforum Johanniskirche und der 400. Jahrestag der Zerstörung Magdeburgs

Referent: Dr. Rüdiger Koch, Bürgermeister a.D. und Vorsitzender des Kuratoriums Friedensforum Johanniskirche 1631–2031, 25.11.2025

Dr. Rüdiger Koch stellte die Arbeit des Kuratoriums vor, das sich der Pflege der Erinnerungskultur zum Dreißigjährigen Krieg und insbesondere der Zerstörung Magdeburgs im Jahr 1631 widmet. Ein angemessenes Gedenken, so der Referent, sei auch ein Impuls für die Gestaltung einer verantwortungsvollen Stadtgesellschaft heute.

Dabei ist die Johanniskirche von zentraler Bedeutung als Ort des Gedenkens an den 10. Mai 1631 (wie auch den 16. Januar 1945). Sie ist ein Ort der Zivilgesellschaft und prägend für das Stadtbild und dessen wechselvolle Geschichte. Als Gedenkstätte für die Familie Guerickes ist die Johanniskirche auch für die Otto-von-Guericke-Gesellschaft von hoher Bedeutung. Das Friedensforum versteht die Johanniskirche als „Haus des offenen Wortes“: ein Raum für Dialog, kritische Reflexion und die gemeinsame Entwicklung von Initiativen. Dabei sollen historische Katastrophen im Bewusstsein der Stadt präsent bleiben.

Für 2026 kündigte der Referent mehrere Projekte an. Besonders hervorgehoben wurde die Entwicklung eines interaktiven virtuellen Rundgangs, der die wichtigsten Epochen der Johanniskirche digital erlebbar macht. Ergänzend sollen weitere digitale Führungen entstehen. Eine Lichtinstallation beim Festival der Kulturen in der Festung Mark erweitert das Programm für 2026. Dem Kuratorium wird künftig ein Förderverein unterstützend zur Seite stehen.

Die Hanse im Dreißigjährigem Krieg

Referent: Prof. Dr. Matthias Puhle, Honorarprofessor an der OVGU, 09.12.2025

Die Hanse war über Jahrhunderte ein lockerer Städtebund, der den Handelsinteressen seiner Mitgliedsstädte diente. Sie setzte sich diplomatisch für die Belange der Kaufleute ein, konnte aber bei Bedarf auch militärisch auftreten, wenngleich sie keine eigene Kriegsflotte besaß. Da es keine offizielle Gründungsurkunde gibt, galt der Hansetag als zentrale gemeinsame Institution; der Erste fand 1356 in Lübeck statt.

Mit dem Ende des Mittelalters begann der schleichende Bedeutungsverlust des Städtebundes. Im 16. und 17. Jahrhundert mussten sich viele vormals freie Städte den wachsenden Machtansprüchen der Landesherren beugen – darunter in unserer Region Stendal, Salzwedel und Tangermünde. Magdeburg hingegen konnte lange seine Stellung behaupten. Der Dreißigjährige Krieg setzte die Hanse jedoch derart unter Druck, dass 1669 der letzte Hansetag stattfand.

Für Magdeburg war die Zugehörigkeit zur Hanse besonders in Krisenzeiten von Wert. Als die reiche Stadt 1629 ganze 28 Wochen belagert wurde, wandte sie sich an die Hanse. Deren Gesandte erreichten eine massive Reduzierung der geforderten Zahlungen – von 300.000 auf 10.000 Taler. Doch die innerstädtischen Spannungen verhinderten am Ende eine stabile Ausgleichspolitik. Die Hanse konnte nicht mehr vermitteln; der überlieferte Satz „Es wird mit Magdeburg schon zum Extremen kommen.“ beschreibt die damalige Lage treffend. Schließlich unterzeichnete Otto von Guericke 1666 den Vergleich vom Kloster Berge. Er besiegelte das Ende der Magdeburger Stadtfreiheit und zugleich das Ende der Mitgliedschaft in der Hanse.

Die Diplomatie Otto von Guerickes – ihre Bedingungen und Ziele

Referent: Prof. Dr. Mathias Tullner, Ehrenvorsitzender der OvGG, 16.12.2026

Die diplomatischen Missionen Otto von Guerickes im Auftrag der Stadt Magdeburg nach der verheerenden Zerstörung 1631 zählten zu den schwierigsten Aufgaben seiner Zeit. Im Auftrag des Rates sollte Otto Gericke dafür sorgen, die Reichsfreiheit Magdeburgs zu sichern und diese Forderung in die Verhandlungen des Westfälischen Friedenskongresses einzubringen. Da er dort nicht offiziell akkreditiert war, agierte er im Hintergrund – allerdings mit bemerkenswertem Erfolg. Im Abschlussdokument des Westfälischen Friedens wurden die Forderungen Magdeburgs zum Erhalt der Reichsfreiheit aufgenommen – unter einer Bedingung: Der Nachweis der Reichsfreiheit sollte durch eine Urkunde Kaiser Ottos I. erbracht werden. Gericke erklärte, diese sei bei der Zerstörung Magdeburgs verbrannt.

Tatsächlich war dieser Nachweis nicht zu erbringen, denn zur Zeit Ottos I. existierten noch keine reichsfreien Städte. Damit war die Reichsfreiheit bei den folgenden Verhandlungen 1649/50 in Nürnberg sowie 1653/54 in Regensburg nicht mehr durchsetzbar. In Regensburg verband Gericke Diplomatie und Wissenschaft auf bemerkenswerte Weise. Mit seinen Experimenten zum Vakuum weckte er großes Interesse und erlangte sogar eine Audienz beim Kaiser. Politisch jedoch blieben greifbare Erfolge aus. Am Ende der Verhandlungen stand der Status Magdeburgs als Landstadt des Erzstifts Magdeburg.

Eine gewisse Schadensbegrenzung gelang Guericke dennoch: In Verhandlungen mit Brandenburg konnte er wirtschaftliche Sonderrechte sichern – zu einer Zeit, in der sich die brandenburgische Vorherrschaft bereits deutlich abzeichnete. 1666 schließlich erzwang ein brandenburgisches Heer die Kapitulation Magdeburgs. Die Stadt erkannte den Kurfürsten von Brandenburg als Landesherrn im Vergleich vom Kloster Berge an. Der inzwischen nobilitierte Otto von Guericke unterzeichnete als Bürgermeister das Abkommen. Damit war die Reichsfreiheit Magdeburgs endgültig verloren.

 Neues aus der Geschäftsstelle: wichtige Infos auf einen Blick 

Magdeburger Halbkugeln im Fokus: Forschung aus Magdeburg unterstützt internationale Wissenschaftsgesellschaft

Im April 2025 wurde Dr. Wolfram Knapp (OvGG) vom History Committee der American Vacuum Society (AVS) gebeten, ein wissenschaftshistorisches Poster über die Magdeburger Halbkugeln zu unterstützen. Die 1953 gegründete Fachgesellschaft führt die berühmten Halbkugeln im eigenen Logo und widmete sich deshalb deren historischer Herstellung.

Anlass für die Anfrage war seine Veröffentlichung im ViP-Journal im September 2024, die auch eine englische Zusammenfassung enthält und damit die Grundlage für eine internationale Zusammenarbeit bot. In diesem Artikel wird die Bedeutung technischer Parameter für das Experiment hervorgehoben – insbesondere Masse und Innendurchmesser der Halbkugeln.

Um diese Daten wissenschaftlich abzusichern, wurden in seinem Auftrag die originalen Magdeburger Halbkugeln im Deutschen Museum sowie in der Universitätsbibliothek der TU Braunschweig präzise nachvermessen. Die Ergebnisse flossen in das Poster ein, das in enger Abstimmung mit dem AVS History Committee entstand. Als „Version 16“ wurde es auf der Konferenz in Charlotte, NC (21.–26. September 2025) vor mehr als 2.500 internationalen Teilnehmerinnen und Teilnehmern präsentiert.

CT-Scans von Magdeburger Halbkugeln

Die bekannten schriftlichen Überlieferungen zu den originalen Magdeburger Halbkugeln reichen leider nicht aus, um belastbare Aussagen zur Herkunft der Kupfererze, Legierungsbestandteile, Herstellungstechnologien und -umstände, geometrische Details zu Wanddicken, Festigkeit usw. zu erhalten. Mit der Einbeziehung moderner Messmethoden vom 3D-Röntgenblick bis zur Isotopen-Feinanalyse als Fingerprint jeder Halbkugel und anderer historischer Objekte eröffnen sich für die Guericke-Forschung völlig neue Möglichkeiten, die wir als AG Wissenschaft im Sinne der empirischen Kreativität Otto von Guerickes einbeziehen, historisch zuordnen, vergleichen und vermitteln möchten.

Der Start erfolgte im Januar 2026 mit computertomografischen (CT-) Untersuchungen von zwei kleinen Magdeburger Halbkugeln (Grauguss-Kopien), die im Auftrag der KNAPPTRON GmbH Möser bei der MICROVISTA GmbH in Blankenburg durchgeführt wurden. Diese Referenzmessung dient als Diskussionsgrundlage für angestrebte Forschungskooperationen, insbesondere in der Zusammenarbeit mit Museen, Historikern und Partnern der Materialwissenschaften.

Passend dazu nahm Dr. Wolfram Knapp (OvGG) Anfang März 2026 an der Tagung „Material Truth: Zerstörungsfreie Prüfung historischer Objekte“ im neueröffneten DGZfP- (Deutsche Gesellschaft für zerstörungsfreie Prüfung) Zentrum in Magdeburg teil. Mit 32 Fachvorträgen und einer Industrieausstellung wurde dort der neueste Stand von Forschung und Technik vermittelt.

Was hat Otto von Guericke mit dem Einhorn zu tun?

Die viel beachtete Ausstellung „Einhorn – Das Fabeltier in der Kunst“ im Museum Barberini präsentierte bis Anfang 2026 über 170 Gemälde und Skulpturen und wurde vom Kunstmagazin Monopol zur beliebtesten Ausstellung des Jahres 2025 gekürt. Internationale Leihgaben – unter anderem aus dem Louvre und dem Museo del Prado – zeigten, welche kulturelle Strahlkraft der Einhorn-Mythos bis heute entfaltet.

Ein begleitender Vortrag bot Gelegenheit zum Austausch mit Chefkurator Michael Philipp. Dabei rückte eine historische Perspektive in den Fokus: Noch bis ins 17. Jahrhundert galt die Existenz des Einhorns keineswegs als Fantasie. Die Bibel erwähnt das Wesen mehrfach – ein Umstand, der seinen vermeintlichen Realitätsstatus lange festigte. Einen Wendepunkt markierte ein spektakulärer Fund bei Quedlinburg. 1663 wurde Otto von Guericke gebeten, ein dort entdecktes Skelett zu begutachten, das man für ein Einhorn hielt. Guericke rekonstruierte daraus ein Modell – doch die gängige Vorstellung eines pferdeähnlichen, vierbeinigen Einhorns ließ sich wissenschaftlich nicht bestätigen.

Zeichnungen und Modelle dieses „Guerickeschen Einhorns“ sind bis heute im Kulturhistorischen Museum Magdeburg sowie im Otto-von-Guericke-Museum zu sehen. Der Wissenschaftshistoriker Prof. Dr. Fritz Krafft hat in seiner Studie „Die Mär um das vermeintliche Guerickesche Einhorn“ die jahrzehntelangen Debatten über die Existenz des Fabeltiers detailliert nachgezeichnet. Guerickes Rolle zeigt exemplarisch den Übergang von der mythischen zur empirischen Weltsicht: Während das Einhorn noch als reale Möglichkeit diskutiert wurde, setzte sich mit Forschern wie ihm zunehmend die wissenschaftliche Überprüfung durch.

Otto von Guericke begleitet die Zeitreise des Deutschen Thermometermuseums in Geraberg

Eine Delegation der Otto-von-Guericke-Gesellschaft war zur Vertragsunterzeichnung am 29. Januar 2026 im Deutschen Thermometermuseum in Geraberg zu Gast. Gern erinnerte man sich dort an den Besuch vor 20 Jahren. Damals wie heute besteht ein großes Interesse an Guerickes Wirken, denn er war durch seine Forschungen auch Wegbereiter für die Entwicklung von Thermometer und Barometer.

Mit dem Vertrag wurden die Eckpunkte der Sonderausstellung „Leben und Wirken des Otto von Guericke“ im Museum vom 23. August bis zum 17. September 2026 festgelegt. Dort werden die physikalischen Grundlagen zu Luftdruck und Vakuum sowie die Entwicklung von Barometer und Thermometer erläutert. Ein besonderes Highlight für die Geraberger: Die Otto-von-Guericke-Gesellschaft bringt Anschauungsobjekte mit – darunter die berühmten Magdeburger Halbkugeln sowie verschiedene Pumpen aus eigenen Beständen und denen der Otto-von-Guericke-Stiftung sowie der Universität.

Auch die legendären Experimente, mit denen Guericke einst die Welt verblüffte, sollen vor Ort vorgeführt werden. Geplant sind diese für das Wochenende am 22. und 23. August 2026. In historischen Kostümen wird dabei nicht nur die Physik erklärt, sondern auch das Leben und Wirken des großen Magdeburgers lebendig erzählt. Die Veranstalter wie auch unsere Delegation der AGs Experimente und Wissenschaft hoffen nun auf zahlreiche Besucher – nicht zuletzt aus Magdeburg.

 Zahlen, die zählen: Unser Jahresabschluss 2025 

Nach einem aus finanzieller Sicht stabilisierenden Jahr 2024 war es das zentrale Anliegen von Vorstand und Geschäftsstelle, diese Entwicklung fortzuführen und insbesondere die Rückzahlung des aufgenommenen Kredits sicherzustellen. Geordnete Finanzen sind die Grundlage dafür, unsere vielfältigen und anspruchsvollen Aufgaben zuverlässig erfüllen zu können – heute und in Zukunft.

Für das Jahr 2025 können wir im Saldo ein positives Jahresergebnis von etwas über 7.200 Euro ausweisen – nach vollständiger Tilgung des Kredits. Dieser Betrag wird auf neue Rechnung vorgetragen und verschafft uns einen soliden Start in das Jahr 2026.

Unser satzungsgemäßes Vereinsziel wurde im zurückliegenden Jahr voll erreicht. Darauf dürfen alle Beteiligten stolz sein. Zugleich erfahren unsere Angebote große Wertschätzung von Besucherinnen und Besuchern – ein wichtiges Zeichen, dass unsere Arbeit ankommt.

 Merken & Mitmachen: Wichtige Termine im Überblick 

Die Ringvorlesungen der Otto-von-Guericke-Gesellschaft im Rahmen von „Studieren ab 50“ der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg können weiterhin ohne Anmeldung besucht werden. Sie sind öffentlich und kostenfrei.

Das Thema der Ringvorlesungen des Sommersemesters 2026, die unter Federführung der AG Wissenschaft durchgeführt werden, umfasst die Entwicklung der Naturwissenschaft im 17. Jahrhundert inklusive der Forschungen und Erfindungen Otto von Guerickes, die bedeutende Grundlagen für bahnbrechende Entwicklungen in Physik und Technologie bis zur Gegenwart gelegt haben. Ohne sie ist das heutige komplexe Leben nicht vorstellbar.

  • 14. April 2026: Horror vacui – die Angst vor dem Leeren: Aus der Geschichte der Vakuum-Idee bis zur Zeit Guerickes, Dr. Berthold Heinecke, OvGG
  • 21. April 2026: Von Leibniz zu Kant – die neue Physik des Vakuums im 18. Jahrhundert: Der Kampf um das Newton‘sche Weltbild, Dr. Berthold Heinecke, OvGG
  • 28. April 2026: Guerickes kosmische Wirkkräfte und ihre Demonstration mittels der ersten Elektrisiermaschine sowie ihr Bezug zur modernen Theorie der fundamentalen Wechselwirkungen, Dr. Peter Streitenberger, OvGG
  • 2. Juni 2026: Das Guericke-Vakuum – von neuen Magdeburger Experimenten zur weltweiten Anwendung, Dr. Wolfram Knapp, OvGG
  • 9. Juni 2026: Vakuum versus Luftdruck verrichtet mechanische Arbeit – die Konzeption der Arbeitsmaschine, Dr. Hartmut Witte, OvGG
  • 16. Juni 2026: Das Reinheitsgebot des Vakuums – Grundlage für unsere Nanotechnologien, Dr. Hartmut Witte, OvGG

Wann: jeweils dienstags, 17:00 – 18:30 Uhr, weitere Informationen unter www.ovgg.ovgu.de

Wo: Guericke-Zentrum, Schleinufer 1, 39104 Magdeburg

Die Guericke-Treffs werden durch die AG Veranstaltungen in bewährter Weise fortgeführt. Sie finden im zweiten Quartal 2026 ebenfalls im Guericke-Zentrum um jeweils 17:00 Uhr an folgenden Terminen statt:

  • 23. April 2026: In Sinne Guerickes verbinden, was wirkt! Die OVGU auf dem Weg zur Netzwerk-Universität, Prof. Dr. Jens Strackeljan (Rektor der OVGU)
  • 28. Mai 2026: Experimentierfreude, Mut und große Ideen – Eine Würdigung Otto von Guerickes anlässlich des 340. Todestages, Prof. Dr. Mathias Tullner, Ehrenvorsitzender der OvGG
  • 18. Juni 2026: Sommerfest der Otto-von-Guericke-Gesellschaft gemeinsam mit der Otto-von-Guericke-Stiftung (OvGG- und OvGS-interne Veranstaltung)

Für Anregungen, Hinweise und Vorschläge sind wir jederzeit offen –
schreiben Sie uns gern!

Der Vorstand der Otto-von-Guericke-Gesellschaft

BILDNACHWEIS

Bild 1: SmartGuide, Bilder 2 und 3: Peter Reichling (OvGG),
Bild 4: Landesarchiv Sachsen-Anhalt, U 1, XXII Nr. 203, Bl 180V.,
Bilder 5 bis 7: Wolfram Knapp (OvGG), Bild 8: Marina Hube (insuedthueringen.de)

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Otto-von-Guericke-Gesellschaft e.V.

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