„Sturm auf Magdeburg“ – eine dramatische Herausforderung
Referent: Norbert Pohlmann, Geschäftsführer Forum Gestaltung, 11.11.2025
Ein nahezu vergessenes Theaterstück aus dem Jahr 1799 bildete den Ausgangspunkt der kulturhistorischen Betrachtung: Friedrich Ludwig Schmidt (1772–1841), seinerzeit Direktor des Stadttheaters Magdeburg, verarbeitete in seinem Schauspiel die Zerstörung Magdeburgs am 10. Mai 1631 – ein Ereignis, das zu den verheerendsten des Dreißigjährigen Krieges zählt. Trotz seines historischen Gewichts fand das Theaterstück nur selten Eingang in die Literatur. Erst der Begriff „magdeburgisieren“ brachte die Dimension dieses Untergangs sprachlich zum Ausdruck.
„Der Sturm von Magdeburg“ wurde 1799 uraufgeführt und über Jahrzehnte am Jahrestag der Katastrophe gespielt, bis es 1876 aus dem Repertoire verschwand. Ein weiteres Werk Schmidts „Die Belagerung von Magdeburg im Jahre 1551“ verband patriotische und protestantische Perspektiven und zeigte die damalige Zerrissenheit der Bürgerschaft. Auch Otto von Guericke war tief geprägt von den Ereignissen und litt unter der Schwäche des Rates.
Die Folgen der Zerstörung bestimmten die Stadtentwicklung langfristig: Statt einer Universitätsgründung wurde Magdeburg zur Festungsstadt, während Bildung und Kultur zurückstanden. Der Begriff „magdeburgisieren“ könne neu interpretiert werden – vom Untergang zur Erneuerung, so der Referent. Kunst und Kultur könnten diesen Wandel sichtbar machen, etwa durch eine neue Theaterinszenierung im öffentlichen Raum, die an den 100. Jahrestag der Deutschen Theaterausstellung im Rahmen des Festivals der Moderne 2027 anknüpfen soll.
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