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Nr. 4

Die neue Halbkugel-Post

 Aus erster Hand: Bericht des Vorstandsvorsitzenden 

Magdeburger Lions unterstützen die Otto-von-Guericke-Gesellschaft

Aktuell freuen wir uns über die Übergabe von Spendenschecks der Magdeburger Lions Clubs Kaiser Otto I. und Editha.

Anlässlich des vom Lions Club Magdeburg – Kaiser Otto I. in der Festung Mark im Februar 2026 ausgerichteten Dart-Turniers erhielt unser Vorsitzender, Prof. Dr. Peter Reichling, einen Spendenscheck aus den Händen von Club-Präsidentin Jenifer Horst (erstes Foto).

Im Anschluss an die Mitgliederversammlung des Lions Clubs Magdeburg Editha im April 2026 hielt Prof. Reichling einen Vortrag mit Einblicken in die Arbeit unserer Gesellschaft. Im Mittelpunkt standen das Erbe Otto von Guerickes, Wissenschaft, Bildung und die Begeisterung der nächsten Generation für Forschung, Geschichte und Magdeburg. Schatzmeister Christian Stahr und Dr. Sebastian Herzog überreichten ebenfalls einen Spendenscheck (zweites Foto).

„Alles für das Nichts“ – Otto von Guericke im Blick des WDR

Wie blickt ein Radio-Reporter auf das Thema „Alles für das Nichts“? Anlass der Sendung aus der WDR-Reihe „Zeitzeichen“ war der 340. Todestag Otto von Guerickes. Als Gesprächspartner standen Prof. Dr. Peter Reichling, Vorsitzender, und Dr. Hartmut Witte, stellvertretender Vorsitzender der Otto-von-Guericke-Gesellschaft (OvGG), Rede und Antwort.

Im Mittelpunkt stand die Frage, wie revolutionär Guerickes Forschungen für das Verständnis von Wissenschaft waren. Während Naturforschung im 17. Jahrhundert noch vor allem als Denksport betrieben wurde – am Schreibtisch entwickelt und in gelehrten Schriften festgehalten –, stieß dieses Vorgehen bei der Erforschung des Vakuums an seine Grenzen. Guericke wollte nicht nur über den leeren Raum nachdenken, sondern ihn erfahrbar machen.

Dabei verlief sein Weg keineswegs geradlinig: Erste Versuche mit einem Holzfass scheiterten an mangelnder Dichtheit. Eine Kupfergefäß wurde vom Luftdruck zerdrückt. Erst mit einer Glaskugel gelangen die entscheidenden Nachweise. „Guericke irrte sich im besten Sinne vorwärts“ war die treffende Zusammenfassung von Redakteur Stephan Beuting für diesen Forschungsprozess.

Sie finden die Sendung zum Nachhören hier.

„Ottos Wohnzimmer“ – Ein Blick in die Zukunft der Otto-von-Guericke-Gesellschaft

In der Sendung „Ottos Wohnzimmer“ des Offenen Kanals Magdeburg sprach Stadtmanager Georg Banderau (Stadtmarketing Pro Magdeburg) mit dem OvGG-Vorsitzenden Prof. Dr. Peter Reichling. Dabei wurde schnell deutlich: Seine Verbundenheit mit Magdeburg, der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg (OVGU) und der OvGG prägt sein Wirken seit seinem Wechsel an die hiesige Universität im Jahr 1999.

Prof. Reichling berichtete über die Aufgaben der OvGG, die heute rund 160 Mitglieder zählt und sich besonders für jüngere Interessierte öffnen möchte. Ein Beispiel dafür ist die digitale Guericke-Meile, die über die SmartGuide-App erlebbar ist. Schwerpunkte der Arbeit liegen auf der Bewahrung und Vermittlung des Erbes Otto von Guerickes – vom Ausbau des Guericke-Forschungsarchivs bis zur digitalen Veröffentlichung der „Monumenta Guerickiana“.

Mit Blick auf das Jahr 2031 beteiligt sich die OvGG aktiv am Gedenken an die Zerstörung Magdeburgs im Dreißigjährigen Krieg. Für diese und andere Projekte suchen wir weitere engagierte Mitstreiter, die das Erbe Guerickes in die Zukunft tragen.

Sie finden das gut halbstündige Interview hier.

 Gemeinsam aktiv: Aktuelles aus den Arbeitsgruppen 

| Ringvorlesungen:

Die Ringvorlesungen im Rahmen von „Studieren ab 50“ der OVGU standen in diesem Semester unter dem Leitthema „Aspekte der Stellung Otto von Guerickes in der Geschichte der Wissenschaft und Technik“. Im Mittelpunkt standen Leben, Forschungen und Erfindungen von Otto von Guericke, dessen Arbeiten eng mit der Entwicklung der Naturwissenschaften des 17. Jahrhunderts verbunden sind.

Horror Vacui – Die Angst vor dem Leeren: Aus der Geschichte der Vakuum-Idee bis zur Zeit Guerickes

Referent: Dr. Berthold Heinecke, 14. April 2026

Otto von Guericke absolvierte ein für einen Patrizier des frühen 17. Jahrhundert typisches Studium der Rechtswissenschaften, der Mathematik und des Festungsbaus in Leipzig, Helmstedt, Jena und Leiden. Aus heutiger Sicht erstaunlich: Die akademische Lehre orientierte sich damals noch weitgehend an den Schriften der Antike.

Die Vorlesung zeichnete die Entwicklung der Vorstellungen vom leeren Raum von der griechischen Philosophie bis in die frühe Neuzeit nach. Im Mittelpunkt standen Platons „Timaios“ und Aristoteles’ „Physik“, deren Ideen über Jahrhunderte hinweg das europäische Denken prägten und über das Mittelalter nach Nordeuropa gelangten.

Deutlich wurde, wie stark die Vorstellung des „Horror Vacui“ (die Angst vor dem Leeren) Wissenschaft und Weltbild bestimmte. Abschließend richtete sich der Blick auf Galileo Galilei und René Descartes, deren Überlegungen zur Möglichkeit eines Vakuums den Übergang zur modernen Naturwissenschaft vorbereiteten und den geistigen Hintergrund für Guerickes bahnbrechende Experimente bildeten.

Von Leibniz zu Kant – die neue Physik des Vakuums im 18. Jahrhundert

Referent: Dr. Berthold Heinecke, 21. April 2026

Ausgehend von den Forschungen Otto von Guerickes beleuchtete die Vorlesung die Entwicklung der Vakuumphysik im Zeitalter der Aufklärung. Im Mittelpunkt standen die Positionen von Gottfried Wilhelm Leibniz, Christiaan Huygens und Isaac Newton zur Frage des leeren Raums und zur Struktur des Universums.

Besondere Aufmerksamkeit galt dem Streit um das mechanistische Weltbild René Descartes’, nach dem alle Naturvorgänge ausschließlich durch den direkten Kontakt von Teilchen erklärt werden können. Die Debatte über die Möglichkeit eines Vakuums erreichte ihren Höhepunkt im berühmten Briefwechsel zwischen Samuel Clarke und Leibniz in den Jahren 1715/16.

Im zweiten Teil der Vorlesung wurde die Verbreitung der newtonschen und leibnizschen Physik in Frankreich betrachtet. Persönlichkeiten wie Voltaire und Émilie du Châtelet trugen wesentlich dazu bei, naturwissenschaftliche Erkenntnisse mit den Ideen der Aufklärung zu verbinden. Abschließend widmet sich die Vorlesung Immanuel Kants Überlegungen zur Kosmologie und Theorie des leeren Raums und damit einer neuen Sicht auf Mensch, Natur und Universum.

Guerickes kosmische Wirkkräfte und ihre Demonstration mittels der ersten Elektrisiermaschine sowie ihr Bezug zur modernen Theorie der fundamentalen Wechselwirkungen

Referent: Dr. Peter Streitenberger, 28. April 2026

Als Otto von Guericke 1672 sein Hauptwerk „Experimenta Nova Magdeburgica de Vacuo Spatio“ veröffentlichte, waren seine spektakulären Vakuumversuche längst europaweit bekannt. Dennoch wurde das Buch zu einem Meilenstein der entstehenden modernen Naturwissenschaften. Am Beispiel seiner Vakuumluftpumpe zeigte Guericke erstmals das enge Zusammenspiel von Experiment, Theorie und praktischer Anwendung – ein Grundprinzip wissenschaftlicher Forschung bis heute.

Besonders bemerkenswert sind die in Guerickes Hauptwerk beschriebenen Untersuchungen zur Elektrizität. Mit einer von ihm entwickelten Schwefelkugel schuf Guericke die erste Elektrisiermaschine der Geschichte. Seine Experimente machten unsichtbare Kräfte sichtbar und nahmen wichtige Entdeckungen des 18. Jahrhunderts vorweg. Damit zählt er zu den Mitbegründern der Elektrostatik.

Guericke erkannte zudem Zusammenhänge zwischen Gravitation, Magnetismus und Elektrizität als grundlegende Naturkräfte. Seine Arbeiten reichten damit weit über die Vakuumforschung hinaus und wirken bis in die moderne Physik und Technik hinein.

| Guericke-Treffs:

Im Sinne Guerickes verbinden, was wirkt: Die OVGU auf dem Weg zur Netzwerk-Universität

Referent: Prof. Dr. Jens Strackeljan, Rektor der OVGU, 23. April 2026

Im Mittelpunkt des Vortrags stand die Vision einer im europäischen Raum eng vernetzten Universität mit hoher wissenschaftlicher Anziehungskraft für Studierende und Forschende – zugleich aber fest verbunden mit Stadt, Region und Gesellschaft. Ausgangspunkt der Überlegungen war das Denken Otto von Guerickes, dessen internationale Orientierung und interdisziplinärer Ansatz bis heute als Impulsgeber verstanden werden können. Dabei ging es auch um die Frage, wie nationale und internationale Kooperationen künftig gestaltet werden müssen, um Wissenschaft, Innovation und gesellschaftlichen Austausch zu stärken.

Der Vortrag beleuchtete darüber hinaus die Anforderungen an eine moderne digitale Hochschulinfrastruktur sowie die Bedeutung von Nachhaltigkeit für Forschung, Lehre und den Campusbetrieb. Einen besonderen Schwerpunkt bildete die Künstliche Intelligenz (KI) als prägende Schlüsseltechnologie für Hochschulen und Arbeitswelt. KI verändert nicht nur wissenschaftliche Prozesse, sondern stellt auch neue Anforderungen an akademische Bildung. Umso wichtiger sei es, Studierende darauf vorzubereiten, technologische Kompetenzen zu entwickeln, kritisch zu denken und interdisziplinäre Zusammenarbeit aktiv mitzugestalten.

Experimentierfreude, Mut und große Ideen: Eine Würdigung Otto von Guerickes anlässlich seines 340. Todestages

Referent: Prof. Dr. Mathias Tullner, Ehrenvorsitzender der OvGG, 28. Mai 2026

Otto von Guericke gilt bis heute als einer der bedeutendsten Naturforscher und Persönlichkeiten des 17. Jahrhunderts. Als Wissenschaftler, Ingenieur, Diplomat und Bürgermeister prägte er nicht nur die Entwicklung der Naturwissenschaften, sondern auch die Geschichte Magdeburgs nachhaltig.

Das 17. Jahrhundert war eine Zeit tiefgreifender Umbrüche und wissenschaftlicher Neuorientierung. Die Suche nach einem neuen, naturwissenschaftlich begründeten Weltbild bestimmte die Diskussionen jener Epoche. Otto von Guericke nahm dabei eine herausragende Rolle ein. Weltweite Bekanntheit erlangte er durch seine Experimente zum Nachweis des Vakuums, insbesondere durch die berühmten Halbkugelversuche. Zugleich beschäftigte er sich intensiv mit den Eigenschaften des Luftdrucks und führte frühe Untersuchungen zur Elektrizität durch.

Gewürdigt wurde ebenso sein politisches und diplomatisches Wirken in einer Zeit großer gesellschaftlicher und politischer Veränderungen. Mit großem Engagement setzte sich Guericke für die Interessen Magdeburgs ein und übernahm Verantwortung beim Wiederaufbau der Stadt nach der verheerenden Zerstörung von 1631.

| Historische Experimente:

Klausurtagung der Strahlenschutzkommission in Magdeburg

Rund 100 Fachleute nahmen am 23. und 24. April 2026 an der Klausurtagung der Strahlenschutzkommission der Bundesregierung in der Festung Mark teil. Im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Beratungen standen neue Entwicklungen bei Strahlenanwendungen in der Medizin sowie aktuelle Forschungsperspektiven der Röntgenfluoreszenz-Bildgebung.

Ein besonderes Highlight des Abendprogramms gestaltete die AG Experimente mit historischen Kostümen und Vorführungen nach dem Vorbild Otto von Guerickes. Mit großer Begeisterung verfolgten die Gäste die Experimente und beteiligten sich aktiv am traditionellen Tauziehen mit den kleinen Magdeburger Halbkugeln.

Magdeburg im Mittelpunkt der europäischen Hochschulallianz EU GREEN

EU GREEN ist ein Zusammenschluss von neun europäischen Universitäten, die den europäischen Hochschulraum nachhaltiger und konkurrenzfähiger gestalten wollen.

Im Mittelpunkt des EU Green Board of Rectors Meeting vom 5. bis 7. Mai 2026 an der OVGU stand die Frage, wie Universitäten in Zukunft forschen und lehren, wie sie digital zusammenarbeiten und sich als vernetzte akademische Räume in einem aufeinander abgestimmt agierenden europäischen Campus aufstellen. Mit gemeinsamen Lehrangeboten, digitalen Plattformen, angepassten Strukturen und länderübergreifenden Forschungs- und Innovationsräumen soll dieser Weg gestaltet werden.

Bei der gemeinsamen Abendveranstaltung in der Festung Mark erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen anschaulichen Einblick in das Wirken Otto von Guerickes. Die AG Experimente präsentierte eindrucksvoll einige seiner berühmten Vakuumversuche und lud die Gäste zum Mitmachen ein. Die Vorführungen sorgten für großes Interesse und machten deutlich, dass wissenschaftliche Neugier, Experimentierfreude und internationale Zusammenarbeit zeitlos sind – ganz im Sinne Otto von Guerickes.

| Sonstiges:

Fast zufällig wiederentdeckt – das Magdeburger Guericke-Mosaik

Im Eingangsbereich des heutigen Landesbetriebes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft in der Otto-von-Guericke-Straße 5 in Magdeburg befindet sich ein bemerkenswertes Kunstwerk: ein Mosaik mit der Darstellung Otto von Guerickes. Es könnte zu den Arbeiten des Malers und Grafikers Walter Ebeling (1908 – 1988) zählen und dürfte in den 1950er Jahren entstanden sein. Das Werk zeigt Otto von Guericke im Stil des leicht stilisierten Realismus der frühen DDR-Jahre. Zugleich spiegelt es das damalige gesellschaftliche Leitbild wider: die Verbindung von Wissenschaft, technischem Fortschritt und gesellschaftlichem Aufbau.

Ob Walter Ebeling tatsächlich der Schöpfer dieses Mosaiks war, lässt sich bislang noch nicht belegen. Deshalb bitten wir Sie um Unterstützung: Wer kennt Dokumente, Fotografien oder andere Belege, die Aufschluss über Entstehung und Urheberschaft des Magdeburger Guericke-Mosaiks geben könnten? Bitte schreiben Sie in diesem Fall eine E-Mail an info@ovg-gesellschaft.de.

Monumenta Guerickiana jetzt erhältlich

Die neue Ausgabe der Monumenta Guerickiana 34/35 liegt ab sofort in gedruckter Form vor. Zum Sommerfest konnten wir interessierten Mitgliedern der OvGG bereits ein kostenfreies Exemplar überreichen. Auch frühere Ausgaben der Schriftenreihe können von Mitgliedern – solange der Vorrat reicht – kostenfrei bezogen werden. Nichtmitglieder haben die Möglichkeit, die aktuelle Ausgabe 34/35 gegen einen Kostenbeitrag von 10 Euro zu erwerben. Frühere Hefte kosten 5 Euro.

Erhältlich ist die Monumenta während der Öffnungszeiten des Guericke-Zentrums, Schleinufer 1, mittwochs und donnerstags, 11:00 Uhr bis 15:00 Uhr, von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Otto-von-Guericke-Stiftung. Darüber hinaus können auch dienstags und mittwochs von 8:00 Uhr bis 13:00 Uhr Exemplare im Guericke Forschungsarchiv, Rötgerstr. 8, Magdeburg, bei Harald Müller abgeholt werden. Hier bitte eine vorherige Absprache über guericke-archiv@online.de.

 Merken & Mitmachen: Wichtige Termine im Überblick 

Nach der Sommerpause begrüßen wir Sie gern zu unseren Guericke-Treffs mit folgenden Terminen und Themen:

  • Donnerstag, 17. September 2026, 17:00 Uhr – Guericke- Zentrum: Das Auge der Geschichte – Zwölf Epochen aus der Geschichte Magdeburgs: Ein Erlebnisbereich in der Innenstadt, Hans-Dieter Bromberg, Vorsitzender des Auge der Geschichte zu Magdeburg e.V.
  • Donnerstag, 22. Oktober 2026, 17:00 Uhr – Ravelin 2, Maybachstraße 8, Magdeburg: Otto von Guericke und der 10. Mai 1631: Thesen zu der Frage, ob der Fall der Festung zu verhindern gewesen wäre, Holger Klotzbach, Sanierungsverein Festungsanlage Ravelin 2 e.V.

Für Anregungen, Hinweise und Vorschläge zu unserer Halbkugel-Post sind wir jederzeit offen – schreiben Sie uns gern!

Der Vorstand der Otto-von-Guericke-Gesellschaft e.V.

BILDNACHWEIS
Bilder 1: Peter Reichling (OvGG), Bild 2: Franziska Rumpel (Lions Club Editha),
Bild 3: Ina Gottschalg (Pro M), Bilder 4 bis 7: Peter Reichling (OvGG), Bild 8: Gerd Peters (OvGG),
Bilder 9 und 10: Peter Reichling (OvGG)
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